Karakorum 2003

Über den Gondogoro Paß nach Hushe

Mittwoch, 3.9.2003
Concordia Platz - Ali Camp

Nachdem Sahid und Sawar gestern Abend nicht mehr erschienen waren, konnten wir davon ausgehen, daß der Gondogoro La noch mit Fixseilen versichert sei und somit passierbar. So machten wir uns bei schönstem Wetter unter der Führung von Golam auf den Weg ins 5000m hoch gelegene ali Camp am Rande des Vigne Gletscher und am Fuße der Chogolisa an der der berühmte Nanga Parbat Bezwinger Hermann Buhl sein Leben ließ. Der Ruhetag hatte mir äußerst gut getan und ich konnte die fantastische Landschaft wieder in vollen Zügen geniessen. An großen Eistürmen ging es dann über einen kleinen Gletscherbach in Richtung Vigne Gletscher.

Atemberaubend waren die Blicke zurück auf K2, Broad Peak und den Concordia Platz vom stetig ansteigenden Vigne Gletscher. Als zusätzliches Schmankerl kam noch ein dritter Achttausender dazu. Nach einigiger Zeit zeigte sich auch der Gasherbrum II hinter den kleineren Gasherbrums.

Der Vigne Gletscher war dann lang nicht mehr so schuttbedeckt wie der Baltoro und leicht ging es auf dem blanken Eis in Richtung Ali Camp, das wir dann gegen Mittag erreichten. Im Ali Camp auf 5000m (!) haust das sogenannte Rescue Team im Sommer, eine kleine Mannschaft von jungen Burschen aus dem Dorf Hushe auf der anderen Seite des Gondogoro Gletschers. Die Jungs führen die vielen Trekkinggruppen und heimkehrenden Expeditionen für ein Wegegeld durch den Eisbruch des oberen Vigne Gletschers, über den Paß und sind für die fest installierten Fixseile zuständig. Den Nachmittag verbrachte ich dann mit Ausruhen, Singen und Ratschen mit dem Rescue Team und meinen Leuten. Gegen Abend wurde dann das Wetter wieder schlecht!

Donnerstag, 4.9.2003
über den Gondogoro Paß nach Xhuspang

Die Nacht hatte 20cm Neuschnee gebracht und es schneite immer noch als wir bei tiefster Dunkelheit auf einer Seitenmoräne des Vigne Gletschers entlangstolperten. Ich mit meiner Stirnlampe, meine Begleiter mit Petroliumfunzeln. Auf dem Gletscher seilten wir uns dann an - ich mit einem Sitzgurt, der wohl von einer Frauen entworfen wurde und die Baltis banden sich das Seil lediglich um den Bauch bzw. hielten sich nur am Seil fest. Als es dann dämmerte stiegen wir in den bis 40 Grad steilen Gletscherbruch unterhalb des Gondogoro Passes ein. Wieder mußte ich meine Begleiter bewundern, die mit ihrer kläglichen Ausrüstung dolles leisteten.

Ich war dann doch recht froh, als wir alle wohlbehalten die Paßhöhe erreicht hatten, die laut Lonely Planet 5900m hoch sein sollte. Ich glaub aber eher, daß es sich hier um ein Mißverständnis handelt und die Paßhöhe nur 5600m hoch ist! Jedenfalls kann man hier bei gutem Wetter vier Achttausender sehen - aber nur bei gutem Wetter, das es bei uns nicht gab! Dafür war bei uns der alpine Touch gewahrt, der das ganze ziemlich abenteuerlich erscheinen ließ. Wir verabschiedeten uns vom Rescue Team und begannen mit dem mühsamen Abstieg auf der anderen Seite des Passes, die einer Schutthalde glich und ziemlich steil war! Ich für meinen Teil seilte mich entspannt an den Fixseilen ab, aber für meine Begleiter war das reine Knochenarbeit! Immer näher rückte der Gondogoro Gletscher und mit ihm auch ein wenig Grün. Ziemlich erschöpft, aber glücklich, daß der gefährlichste und anstrengenste Teil ohne Probleme über die Bühne ging, erreichte ich dann die zu dieser Zeit schon verlassenen Hochalm Xhuspang. Froh war ich auch über das viele Grün, das es hier trotz der 4500m wieder recht reichlich gab. Am späten Nachmittag traf dann auch das Rescue Team mit den abgebauten Fixseilen ein - wir waren also für dieses Jahr die letzte Gruppe gewesen, die den Paß zumindest mit Fixseilen überquert hat. Den restliche Nachmittag verbrachte ich dann damit die vielen zerbrochenen Kameras Ferngläser und sonstigen Sachen zu begutachten, die das Rescue Team in dieser Saison so gefunden und eingesammelt hatte. Durch den Neuschnee donnerten überall von den Bergen die Lawinen zu Tal, aber unser Platz lag zum Glück gut geschützt hinter der mächtigen Seitenmoräne des Gondogoro Gletschers.

Freitag, 5.9.2003
Xhuspang - Daltsampa

Wieder hatte es einiges an Schnee in dieser Nacht gegeben, aber der Tag versprach einigermaßen gut zu werden. Sehr entspannt ging es heute das letztemal mit Gletscherberührung in Richtung Tal. Im Schatten des Laila Peaks ging es auf den Gondogoro Gletscher und auf diesem bergab nach Daltsampa einem sehr schönen Lagerplatz an einem kleinen See.

Die Etappe war relativ kurz, so daß wir schon recht früh am Ziel eintrafen. Ich nutzte den Nachmittag, um mich und meine geschundenen Sachen ein wenig zu waschen und zu sanieren.

Samstag, 6.9.2003
Daltsampa - Shaishcho

Im Angesicht der kleineren Masherbrums gings dann entlang des Gondogoro Gletschers immer tiefer ins Tal. So bergverückt und begeistert ich auch bin, freute ich mich doch über die immer dichter werdende Vegitation. Shaishcho entpuppte sich dann als kleines Camping Resort - mit eiskalter Dusche, Cola und Gartenstühlen. Den Nachmittag verbrachte ich dann damit ein deutsches Buch zu lesen, das ich dort gefunden hatte. Obwohl es grottenschlecht war, war es ein Roman, kein Reiseführer und auf deutsch!

Meine Begleiter verbrachten den Nachmittag damit, sich für ihrer Frauen und die Zivilisation herzurichten. Ich war wirklich überrascht - einige waren fast nicht wieder zu erkennen! Vorallem, was da in den Rucksäcken noch so alles an sauberen Sachen versteckt war - soviel hatte ich nicht dabei! Jetzt war ich der Dreckspatz!

Sonntag, 7.9.2003
Shaishcho - Hushe

Heute stand die letzte Etappe auf dem Weg zurück in die Zivilisation auf dem Programm - die Wanderung nach Hushe, das Ende unseres Baltoro Abenteuers. Entspannt ging ich hinter den Trägern her, die es gar nicht erwarten konnten zu ihren Familien zurückzukehren. Hushe ist das erste Dorf am Hushe Fluß, in dem es wieder Jeep Verkehr gab. Wir waren natürlich die Attraktion im Dorf und Sahid hatte alle Hände voll zu tun seine ganzen Bekannten und Freunde zu begrüßen.

Ich war froh, daß wir alle gesund und munter den Trek überstanden hatten. Am Abend saßen wir noch alle recht lang zusammen und es wurde so mancher Toast ausgesprochen!



© Wolfgang Dressel 2003