Reichenspitze, Gabler, Richterspitze
11.-13.08.2005
Mit dem Auto ging es am Donnerstag Abend die 15km lange Mautstraße in Richtung Zillergrund bis zum Parkplatz nahe dem Gasthof Bärenbad (1450m). Eigentlich war ja wie so oft mal wieder gutes Wetter angesagt, aber die schwarzen Wolken am Himmel verhießen nichts wirklich Gutes. Also machten wir uns in vollem Regen-Outfit auf den Weg und schon nach wenigen Metern goss es in Strömen. Bald hatten wir die Staumauer des Zillergrund Stausees erreicht, wo es durch einen langen Tunnel weiterging. Eine wahre Glanzleistung für die Herren Elektroingenieure war es, in diesem besagten Tunnel nicht auf die Idee zu kommen, dass es ja einen Lichtschalter geben könnte. So war es bald stockdunkel um uns herum, die Stirnlampen zu tief im Gepäck und wir tasteten uns stolpernd zum Ausgang. Weiter ging es durch den prasselnden Regen hinauf über den neuen Panoramaweg zur Plauener Hütte (2364m). Leider hatte die Hütte keinen funktionierenden Trockenraum und in der nicht wirklich warmen Gaststube, hofften wir auch nicht darauf, dass unser Gepäck und unsere Kleidung trocken wurde. Wenigsten bekamen wir noch einen Kaiserschmarrn serviert, bevor um Punkt 21h ohne Vorwarnung der Generator und damit das Licht ausgeschaltet wurde. So tasteten wir uns für den Rest des Abends mit der Stirnlampe durch.


Der Gletscheranstieg zur Reichenspitze

Am Freitag morgen brachen wir gegen 7h auf in Richtung Reichenspitze. Der Weg war gut markiert und die Linie über den Gletscher auch sehr leicht zu finden. Heikel wurde es in der Blankeisstelle am ersten Eisbruch hauptsächlich, weil mein Riemen-Steigeisen (die Rahmeneinsen wollte ich schonen) sich als nicht kompatibel mit meinem Salomon „steigeisenfesten“ Schuh erwies. Wie ein „steigeisenfester“ Schuh eine so weiche Schicht im Bereich der Fersensohle haben kann, dass sich das Steigeisen hinten so weit reindrücken kann, dass vorne 1cm Luft entsteht und sich das Steigeisen vom Schuh lösen kann, ist mir unbegreiflich. Für mich aber nur ein weiterer Grund nie wieder einen Salomon-Schuh zu kaufen, mit dem ich grundsätzlich schon nicht zufrieden bin.


Kurz vor dem Gipfel

Jedenfalls erreichten wir nach entspanntem kurzen Aufstieg bald den Gipfel der Reichenspitze (3303m).


Auf der Reichenspitze

Wir konnten den tollen Gipfelblick aber nur kurz genießen, weil wir uns jetzt unweigerlich entscheiden mussten, wo es noch weiter hin gehen sollte.


Der Gabler von der Reichenspitze

Je nach Wetter und Verhältnissen wollten wir entweder die Überschreitung zum Gabler (3263m) oder die Wildgerlosspitze noch machen. Wir entschieden uns für ersteres und kletterten durch die Reichenspitzen-Ostwand (III) hinab in die Scharte zum Gabler. Der direkte Aufstieg über den Südwestgrat sah uns dann doch etwas garch aus und so sind wir dann zum Südostgrat traversiert und auf diesem hoch (II-III) zum nicht gerade breiten Gipfel.


Die Ostwand der Reichenspitze


Auf dem schmalen Gabler-Gipfel

Der Abstieg erfolgte über die „Glatze“ hinab Richtung Zittauer Hütte, dann aber rechtshaltend über ein Steileisstück (ca. 35 Grad) und Blockwerk in die Roßkarscharte (2689m) und mit kleinem Gegenanstieg hinab zur Richterhütte. Die Richterhütte (2367m) hatte einen super Trockenraum und war auch sonst sehr schön und urig. Wir chillten auf der Terasse mit Blick auf das Tagwerk und gingen schön früh ins Bett. Am Samstag morgen ging es wieder zeitig los. Hinauf zur Gamsscharte (2986m), schnell noch auf den unwesentlich höheren Gipfel der Richterspitze (3054m) und dann in Richtung Plauener Hütte.


Beim Aufstieg zur Gamsscharte


Die Gamsscharte

Erschreckend war noch mal der schlechte Zustand des Klettersteigs zwischen Gamsscharte und Plauener Hütte. Im AV Führer stand nur Steig und als wir uns dann in einem Bachbett wiederfanden, in dem man sich an teils zerfransten Stahlseilen und verbogenen Stahlstiften und –bügeln über nassem senkrechten Fels hangeln musste, stand das in keinem Verhältnis zur Beschreibung. Das folgende Schneefeld das im Führer warnend erwähnt wurde war da eher das kleinere Übel. Nachdem sich der Woife dann auf der Plauener Hütte noch mit einem Weißbier gestärkt hatte ging es final hinunter zum Auto. Ein lustiger Geselle namens Uli aus Plaunen, der die UV-Anlage der Hütte wartet, wurde noch unser Mitfahrer bis München.


Matthias Marke - 2005