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Egal von welcher Seite man die Königsspitze (3859m) betrachtet, sie ist immer Genuß für das Auge des Bergsteigers. So stand sie seit der Tour auf den Cevedale letzten August ganz oben auf der Tasklist für das Bergjahr 2001. Schon bei der Anfahrt über den Reschenpaß baute sich das Ortlermassiv vor uns auf und die eindrucksvolle Nordwand der Königsspitze motivierte uns für unser Vorhaben.
Wir umfuhren die Ortlergruppe über das Stilfzer Joch und stiegen von Süden auf die Pizzini Hütte (2700m). Auf dem Hochweg zur Hütte zeigte sich die Königsspitze mit ihrer felsigen Südwand und ihrer exponierten Lage und wir wussten, dass dieser Berg ein besonderer war.
Am Sonntag klingelte der Wecker um 2 Uhr und wir waren die ersten, die die Hütte verließen. Leider zunächst auf dem falschen Weg. Wir bemerkten aber rechtzeitig den Fehler, kehrten zur Hütte zurück und suchten mit Karte und Kompaß den richtigen Weg (der sich im Dunklen anders nicht finden ließ). Schon bald zeigte der Blick zurück wie viele Bergsteiger uns folgten. Die Karawanen mit ihren Stirnlampen zogen wie Lichterketten zum Einstieg. Wir erreichten auch mit als erster die Rinne die hinauf zur Südostwand führte. Wir entschieden uns, wegen der guten Schneeverhältnisse und der Hangneigung von ca. 35 Grad aufs Sichern zu verzichten und spurten die Rinne hoch.
Wer in unserer Gruppe ganz vorne ging, merkte schnell den Unterschied im Kraftaufwand zwischen selber Spuren und in die Fußstapfen des Vordermannes zu treten.
Als wir den Einstieg in die Wand erreicht hatten, ging gerade die Sonne als roter Ball über den Bergen auf. Ein gigantischer Anblick. Leider war der Gipfel der Königsspitze noch im Nebel und wir konnten nicht sehen was noch vor uns lag. So stapften wir weiter hinauf, sprangen über den Bergschrund und plötzlich lichtete sich der Nebel und das Gipfelkreuz zeigte sich zum ersten Mal. Wir glaubten schon fast am Ziel zu sein, aber jetzt kam der schwerste Teil. Im Ausstieg aus der Wand war nur noch wenig Schnee auf dem Eis. Hier war mit 42 Grad Neigung auch die steilste Stelle. Doch mit unseren Eisgeräten kämpfen wir uns nach oben und kamen schießlich auf dem Gipfelgrat an, wo sich ein berauschender Blick in die Nordwand auftat. An der Gratwächte entlang liefen wir die letzten Meter zum Gipfel und als ich oben war, konnte ich gar nicht glauben, dass ich wirklich auf dem Berg meiner Träume stand. Und das Schönste war, wir waren die ersten und hatten den Gipfel ein paar Minuten für uns.
Der Absteig war dann nochmal ein Kapitel für sich. Wir schlängelten uns durch die Massen von aufsteigenden Bergsteigern, die überwiegend, aus uns nicht erklärlichem Grund, in 3er-Seilschaften aber ungesichert gingen. Wäre einer von den dreien ins Rutschen gekommen, hätten auch die anderen beiden ihn in dem steilen Gelände nicht halten können und alle drei wären die Wand hinter gefahren ... aber jeder wie er will ! Wir kamen jedenfalls sicher und überglücklich wieder an der Hütte an und blickten noch einmal hoch - Was für ein Berg ! |