Hochfeiler Nordwand (16.-17.05.2003)
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Start an der 5. Kehre

Am Freitag Mittag machten wir uns auf den Weg ins Pfitschertal und quälten Impi's Auto die holprige Pfitscherjochstrasse hinauf, die die "Bavaria Edition" einige Male mit dem Bodenblech tangierte (ach ja falls jemand Auspuffteile findet ;-).


Zustieg zum Biwak

Wir fuhren bis zur fünften Kehre, und da wir dort noch alleine parkten, stiegen wir noch zur Günther-Messner-Biwakschachtel auf. Diese teilten wir uns noch mit zwei Hochferner-Aspiranten und waren somit am nächsten Tag die einzigen, die sich vom Biwak in Richtung Hochfeiler aufmachten.


Günther-Messner-Biwak

Eine allgemein interessante Frage schien es zu sein, welche Scharte man am besten wählt, um auf den Rotkees zu gelangen. Im Hüttenbuch wurde empfohlen, auf jeden Fall die "rechte" (?) Scharte zu nehmen. Wir entschieden uns trotzdem für die Griesscharte und es war mit Sicherheit der einfachste Weg. Richtig entspannt war das Erreichen der Scharte dennoch nicht. Wir hatten die Harscheisen im Auto gelassen und mußten ganz schön arbeiten, um die eisige steile Rinne zu Griesscharte zu erklimmen.
Die mühsam erarbeiteten Höhenmeter ging es dann aber gleich wieder hinunter, diesmal lieber mit Ski auf dem Rücken und Steigeisen an den Füßen. Nach 100 Hm Absteig schnallten wir die Ski wieder an und visierten den Felsriegel an, der den Rotkees vom Schlegeiskees trennt. Er war die nächste große Hürde auf dem Weg zur Wand. Nach Süden hin stark überwächtet schien er unpassierbar und es dauerte bis wir einen Weg fanden, am obersten Ende den Abbruch zu traversieren. Auch hier hieß es erstmal wieder Ski an den Rucksack und "Spikes" für die Schuhe anlegen.


Der Bergschrund

Der Gletscherbruch am Fuße der Wand ließ sich über eine breite Brücke gut passieren und so kamen wir nach vier mühsamen Stunden des Zustiegs am Wandfuß an. Wir hatten viel Zeit in die Wegsuche und in das Wechseln von Ski auf Steigeisen und umgekehrt investieren müssen.


Blick zurück auf den Wandzustieg

Im Bereich des Bergschrunds versanken wir erstmal richtig im Pulver bis wir langsam auf tragfähigeren Schnee stießen. Die größte objektive Gefahr war die riesige Wächte des Hochfeiler Ostgrates und so wählten wir eine Route am linken Rand des rechten Wandteils.


Überquerung des Bergschrunds

Im unteren Teil gingen wir seilfrei, sicherten aber als wir in die Falllinie der Wächte kamen bis zum Ausstieg. Die Wand wurde zur Konditionsprobe. Spuren war Schwerstarbeit und so wurde die Seilschaft, die gerade Spurarbeit leistete, immer wieder von der anderen Seilschaft eingeholt und so kann man wirklich sagen, dass wir in perfektem Teamwork eine 1A Trasse in die Wand gestapft haben.


Impi beim Sichern

Das bestätigten uns dann acuh noch zwei andere Begeher der Nordwand, die direkt von Auto gestartet waren und in unserer Spur mühelos zu uns aufschlossen. Obwohl sie bestimmt den entspannteren Tag hatten, fand ich es wesentlich interessanter selber den Zustieg und die Wandroute zu gestalten und nicht nur den Spuren der anderen zu folgen.


Blick nach Osten


Der mühsame Aufstieg

Vier Stunden benötigten wir durch die Wand und erreichten schließloch den Ostgrat. Der sah wilder aus, als er war, und mit kleiner Mixed-Klettereinlage erreichten wir schließlich den Gipfel. Das Wetter war inzwischen gekippt. Nebel und Sturm begrüßten uns am Gipfelkreuz und so stiegen wir schnell zur Scharte auf 3300m ab.


Am Gipfel im Nebel (Foto: Stephan Rankl)

Den Weg kannte ich ja bereits vom letzten Jahr. Ab da fuhren wir mit den Skiern zum Weg der Hochfeilerhütte ab. Dann schulterten wir die Bretter wieder. Gefährlich wurde es noch mal an den Lawinenkegeln, die den Weg zahlreich an exponierten Stellen versperrten. An einer Querung eines solchen Kegels verlor der Impi den Halt und fuhr 10m talwärts. Die Lektion "Bremsen im Schneefeld" hatte er gelernt, denn selbst mit Gepäck und Skiern am Rücken stoppte er die Talfahrt wie im Lehrbuch. Es ist zum Glück nichts passiert.
Am Ende des Hochfeilerhüttenzustiegs, der 3. Kehre der Pfitscherjochstraße, opferten sich Impi und Woife und stiegen die 300 Hm zur 5. kehre wieder auf, um das Auto zu holen. Dannach waren alle erstmal bedient. Ein Fressgelage in einer Wirtschaft in Sterzing ließ uns erst wieder zu Kräften kommen.


Hochfeiler Nordwand vom Schlegeis-Stausee (Mai 2004)



Matthias Marke - 2003