Auf Meister Lampes Spuren gen Demeljoch (1924m)
04.01.04
Es waren einst zwei junge zivilisierte Männer, die es ab und zu in die Berge zog. Das war an sich nicht so schlimm. Nur wehe, wenn sie sich zu zweit auf den Weg machten...
Eine Skitour sollte es an diesem grauen Tag im Januar werden. Ein nahes Ziel. Warum nicht auf das Demeljoch ? Ein Münchner Hausberg, ein Spaziergang im Sommer.
Toller Schnee, Lawinengefahrstufe 1, gutes Wetter, zumindest laut Wetterbericht. Woife und ich fuhren zum Sylvensteinspeicher und machten uns mit der Beschreibung des Sommeranstiegs auf den Weg.
Eine Forststrasse zog sich durch ein langes Tal mit mäßiger Steigung dahin. Uns kamen langsam die Zweifel, ob diese Steigung wirklich Abfahrtsspaß bieten würde. Eine leicht verschneite Skispur gab uns Hoffnung, dass wir auf dem richtigen Weg waren.
Schließlich zweigte der Weg ab, auf einem Pfad ging es jetzt immerhin steiler nach oben. Aber ob die Abfahrt auf einem schmalen Waldsteig nachher ein Genuss werden würde, bezweifelten wir immer mehr.


Der flache Anstieg auf der Forststrasse

Bald hatten wir wieder ein Forststrasse erreicht. Wir folgten einfachen der Skispuren im Schnee, bis selbige plötzlich aufhörten. Die Vorläufer hatten hier wohl umgedreht. Dummerweise war hier auch die Forststrasse zu Ende. Und jetzt ? Eine schmale Schlucht mit einem kleinen Bach und steilen Hängen links und rechts schien uns der einzig mögliche Weg nach oben. Warum nicht? "Jetzt beginnt die Skitour!" triumphierte der Woife. Und wirklich es war toll, durch den lockeren Pulverschnee eine eigene Spur durch das Latschenlabyrinth zu legen. Es war toll, bis es langsam steiler wurde und wir mal wieder die Grenzen des Skibersteigens im tiefen Pulverschnee gezeigt bekamen. Meine Motivation litt dabei deutlich, aber der Woife hatte sich in den Kopf gesetzt, dass die Hasen, und es gab viele Spuren von ihnen, schon wüssten wo es denn lang ginge. Also folgten wir einfach den Hasenspuren. Und tatsächlich gelangten wir nach so mancher prickelnder Querung irgendwann zur Rotwandlalm.
So, jetzt müsste es ja ganz einfach sein, zum Gipfel zu finden. Finden ja, gehen nein. Wie die Gestörten ackerten und pflügten wir nun Meter für Meter durch die Ostflanke des Demeljochs. Wir stellten schnell fest, dass man ab einer gewissen Hangneigung keine Chance mehr hat, Land zu gewinnen, und suchten immer nach dem flachsten Anstieg. Das ganze kostete natürlich unglaublich Kraft. Immerwieder halfen uns die Hasenspuren (zumindest moralisch ;-). Irgendwie hatten wir uns schliesslich kurz vor der geplanten Umkehrzeit (wir mussten ja auch noch runter) bis zum Zotenjoch (1881m), dem Vorgipfel, vorgearbeitet. Naja, wir standen 10m unter dessen Gipfel. Und dann war Schluss. Links ein Hang, der uns auch trotz geringer Lawinengefahr nicht ganz koscher war (steil, kammnah, verblasen), rechts die Norwand und in in der Mitte der letzte Grataufschwung mit jeder Menge lockerem Schnee.


Hier mussten wir leider umkehren (Mitte: Zotenjoch / ganz rechts: Demeljoch)

Wir drehten um, ohne wirklich traurig zu sein. Es folgten ja nun auch die genialen Abfahren durch Champagne-Powder bis ... ja bis zu dem tollen Waldweg (Wirklich kein Spass zum Abfahren) und der folgenden flachen Forststrasse, wo nochmal die Langlaufskills ausgepackt werden mussten :-(.

Zum Schluss noch die Einlage des Tages. Kurz vor dem Parkplatz gab es ein beliegtes Eisklettergebiet. Woife kannte es schon, aber ich wollte mir die Arena mal genauer anschauen, ein kleiner Pfad führte ca. 20m vereinzelt steil empor. Der erste Absatz, ich haute mit dem Skistiefel eine kleine Stufe in den eisüberzogenen Fels. Mit kamen Zweifel, ob die Stufe hält, dachte dann aber, dass man beim Klettern nun mal Vertauen in schmale Leisten haben muss. Ich belastete, der Tritt bracht, ich rutschte, ich drehte mich und landete kopfüber im benachbarten Bachbett, das zugefroren aber zum Glück auch schneebedeckt war . Weh getan hatte es nicht, aber ich hatte eingesehen, dass dieser Weg nur mit Steigeisen und Pickel begehbar war. Mit dem Frust, quasi im Zustieg abgestürzt zu sein, war meine Erkundungstour beendet und ich wollte die Eisarena gar nicht mehr sehen.



Matthias Marke - 2003