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Woifes lang gehegter Wunsch sollte in Erfüllung gehen. Einmal quer durchs Karwendel - von Scharnitz zur Pleisenhütte,
weiter zur Breitgrießkarscharte und dann mit Häkchengarantie über Seekarspitzen, Marxenkarspitze und Ödkarspitzen zum
Karwendelhaus. So ging es mit der Bahn nach Scharnitz und bei bestem Wetter zur Pleisenhütte.
Auf gut markiertem Steig geht es dahin
Dort gabs a Supperl und
den sehr motivierenden Kommentar der Wirtsleute, dass dieses Jahr noch jeder auf dem Weg zur Breitgrießkarscharte wegen der
Schneemassen umkehren musste.
Rechts zeigt sich die Breitgrießkarspitze
Zunächst querten wir auf einem gut markierten Steig Richtung Osten. Bis zum Westflanke der Breitgrießkarspitze ging
es noch ganz gut, anfangs schneefrei, dann durch feste Schneefelder dahin. Doch dort wartete eine ausgesetzte Traverse
durch sulzigen Schnee. In dem ca. 35 Grad steilen Hang waren wir um unseren Pickel froh und erreichten nach endlosem
Übersetzen schließlich den Südgrat.
Seekarspitzen vom Westgrat der Breitgrießkarspitze
Wir deponierten unser Gepäck und machten einen Abstecher auf den Gipfel der Breitgrießkarspitze (2588m), die
sehr beeindruckend senkrecht nach Osten abbricht. Wegen der aufziehenden Wolken, war die Sicht nicht so toll, aber
man sah auf die ästhetisch geformte Pyramide der Großen Seekarspitze und der Woife war sofort in selbige verliebt.
Was wir nicht sahen, war die Biwackschachtel, die wir für die Nacht beziehen wollten und die in der Breitgrießkarscharte
liegen sollte.
In der Westflanke der Breitgrießkarspitze
Im Abstieg zur Scharte galt es wiederum die steile Südostflanke (I-II, bzw. bis 30 Grad Firn) der Breitgrießkarspitze zu passieren.
Wegen des hier
sehr kompakten Schnees waren Steigeisen gute Helfer. So erreichten wir schließich die Scharte, aber immer noch hatten wir
die Biwakschachtel nicht gesehen. Links und rechts des Steinmandls, das die Scharte markiert, lag noch meterhoch verblasener
Schnee. Darunter konnte natürlich sie Schachtel liegen, aber wir konnten unmöglich das ganze Gelände absondieren.
Wir hatten uns schon geeinigt, eine Schneehöhle für die Nacht zu graben, weil es doch jetzt stark nach Regen aussah und
auch Gewitter nicht auszuschließen waren. Da sah ich ein kleines Metalstäbchen einen guten Zentimeter aus dem Schnee
schauen. Aber nach grobem Prüfen sah es so aus als ob es nur eine Markierungsstange wäre. Wir fingen also, unsere
Schneehöhle vorzubereiten.
Die Biwakschachtel tief im Schnee vergraben
Plötzlich kam mir aber wieder das Metalstäbchen in den Sinn und ich grub dort etwas tiefer.
Einen Meter tief unter dem Schnee stieß ich auf des Dach der Biwakschachtel. Wir änderten schnell den Plan und gruben
immer abwechselnd in die Tiefe, bis wir ein ca. 2qm großes, 2,5m tiefes Loch vor der Türe der Biwakschachtel ausgehoben
hatten. Aber was stellten wir ernüchternd fest, die blöde Tür ließ sich nicht öffnen. Der Griff zur Taschenlampe
bestätigte die Befürchtung - es gab noch eine zweite Tür auf der gegenüberliegenden Seite und nur diese hatte eine Klinke.
Also schaufelten wir auch diese Tür frei, und nach drei Stunden Schaufelei setzen wir den ersten Schritt in unser
designiertes Nachquartier. Dieser war aber auch eher ernüchternd. Die Biwakschachtel war ein einziger Schimmelpilz.
Von der Decke hing weißer Schimmelflaum und es roch widerlich. Sch... !!!
In der Biwakschachtel
So versuchten wir also doch zunächst die Nacht unter freiem Himmel zu verbringen, aber als es dann in der Nacht
zu regnen anfing, blieb uns nicht anderes übrig, als in das Schimmelloch zu ziehen.
Am nächsten Tag erwachten wir im kompletten White-Out. Wir saßen mitten in einer Wolke und hatten Null Sicht. Dennoch
wollte der Woife zwingend auf die Große Seekartspitze und so sollte es dann auch sein. Leider konnte er sich in seinem Elan
nicht mehr an den Weg erinnern, den wir am Vorabend (bei bester Sicht) noch abgesprochen hatten und meine Einwände
waren wohl auch zu leise formuliert. Jedenfalls landeten wir erstmal auf der Kleinen Seekarspitze (2624m).
Von selbiger ging es über einen extrem brüchigen und steilen Grat in die Seekarscharte. Bei diesem bröseligen Abstieg
hasste ich das Karwendel wir nie zuvor. Dafür war dann der Aufstieg zur Großen Seekarpitze (2679m) wieder
einfach. Auf bestem Trittfirn ging es zum Gipfelaufbau, wo dann eine kleine Kletterei in ausnahmsweise festerem Fels
wartete.
Blick von der Grießkarscharte auf die Seekarspitzen
Nachdem wir wieder unser Nachtlager erreicht hatten, stiegen wir wegen des zweifelhaften Wetters über das Neunerkar ab.
Dank Schneeauflage kammen wir hier super schnell voran und ab der Baumgrenze ging es auf einem wildromantischen Steig hinab
in Karwendeltal. Tja, und letzteres mussten wir dann noch zwei Stunden rauslaufen ;-(
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