Reisebericht
So gut ich mich noch am Abend gefühlt habe, so mies geht es mir heute morgen. Kopfweh und absolut keine Motivation, nur einen Schritt zu machen. Aber wir müssen weiter. Uns so haben die anderen drei keinen Spass, immer wieder auf mich zu warten, bis ich auch mal wieder drei Meter weitergekommen bin. Aber irgendwie sind wir dann doch alle bei der Plaza de Mulas, dem Basislager für die Normalroute auf knapp 4300m, angekommen. Wir empfangen unser Gepäck und finden ein nettes Plätzchen für unsere 3 Zelte. Leer ist es hier nicht gerade. Ca. 200 (!!) Zelte stehen auf das Areal verteilt.
![]() Wir genießen unserer erstes Abendessen im Basislagerzelt, dass sich trotz aller Kritik an Eureka-Zelten stehts als sehr brauchbar erwies. Draussen gibts es wieder Graupelschauer und es ist eisig kalt. Wir sprechen nochmal die Taktik und die Planung der nächsten Tage durch, trinken, trinken, trinken und hören draußen die ersten Jubelschreie von erfolgreichen Gipfelaspiranten, die zurück ins Basislager kommen. |
Nach einer geruhsamen Nacht, kommt das frostige Erwachen. Schnee, Schnee, Schnee ! Gut, dass heute Ruhetag ist. Ich gönne mir erstmal ein paar Nutella-Brote zum Frühstück. Das Nutella hatte ich daheim extra warm aus dem Glas in eine Plastiktüte umgefüllt. Jetzt war es ein leckerer Energiespender. Wir können nicht viel machen, als dumm im Basislagerzelt rumsitzen. Wir trösten uns mit unserem Motto: "Des hamma so gebucht !" und belegen damit gleich die F12-Taste (vgl. F6 im Nepal-Bericht). Auch fällt uns ein, dass wir nicht genügend Benzinflaschen zum Bunkern im Hochlager haben und testen die Tauglichkein von PET-Flaschen. Test bestanden.
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Es schneit immer mehr, die Zelte sind schon völlig eingeschneit und die Hauptaufgabe ist die Erkundung des optimalen Pfads zum Klo, um keine nassen Strümpfe zu bekommen. Irgendwann kann dann keiner mehr ruhig sitzen und ich mache eine kleine Wanderung, bis auf 4610m bis sich mein leichtes Kopfweh mal wieder deutlicher meldet. Das Abendessen kochen Woife und Impi dann unter Extrembedingungen bei Schneesturm und Eiseskälte. ![]()
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Die Nacht war klar und bitterkalt. Im Zelt hatte es -8 Grad. Wir wollen früh los und so sind wir aufgestanden, bevor die Sonne sich zeigt. So müssen wir bei -9 Grad kochen und frühstücken, was gerade morgens, wenn der Kreislauf noch im Keller ist, kein Spass ist.
![]() Heute geht's zum ersten mal zu unserem ersten Hochlager. Nido de Condores liegt auf 5380m. 6 Stunden lang schleppen wir uns und unsere Rucksäcke mit Proviant und Benzin im Schneckentempo nach oben. Woife und Impi geben der Betty und mir heute eine Demonstration ihrer Fitness. Sie hängen uns kläglich ab, obwohl sie sich auch nicht wirklich verausgabt haben, was ja für die Akklimatisierung fatal wäre.
![]() Wir deponieren einen Seesack mit unseren Vorräten und steigen wieder ab. Dank der Schneeauflage brauche ich nur 50 Minuten zum Basislager. Man konnte fast bis ganz unten abfahren. |
Ruhetag, und den brauchen wir auch. Jeder Meter des gestrigen Aufstiegs steckt noch in den Knochen. Ich mache einen Spaziergang zum Refugio Ibanez, einem Hotel nahe des Basislagers. Hier könnte man duschen, wenn es einem 10 U$ wert wäre. Ist es uns natürlich nicht. Der Himmel ist wie gestern wolkenlos und unsere Haut leidet trotz Sonnencreme mit LSF 30 unter der Strahlung. Der Woife baut aus Stecken und einem Biwaksack ein Sonnensegel und wir vermummen unsere Gesichter, um nicht komplett zu verbrennen.
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Unsere ersten Gedanken gelten unseren Freunden daheim, die heute wieder brav in die Uni oder in die Arbeit gehen dürfen. Woife: "Hias, wenn Du die Wahl hättest, würdest Du jetzt lieber in die Arbeit gehen oder wieder nach Nido der Condores aufsteigen und dort übernachten". Ich bin natürlich lieber aufgestiegen. Diesmal haben wir unsere Zelte dabei und sind nur unwesentlich schneller gegangen, als letztes Mal. Oben angekommen ist es mir erstmal total schwindelig, mein Hirn ist wie gelähmt. Wir unterhalten uns mit einem Schweden, aber mein verfügbarer Englischwortschatz beschränkt sich auf Anfängerniveau. ![]()
![]() Irgendwie musste das Zelt aufgestellt werden, und so haben wir uns zusammengerissen. Dannach Schneeschmelzen, kochen und ab ins Zelt. Ich war müde, konnte aber überhaupt nicht schlafen. Ständig habe ich in mich hineingehört. Bin kurz eingenickt, habe dabei das Atmen aufgehört und bin hechelnd wieder aufgewacht. Trotz ausreichender Flüssigkeitsaufnahme hatte ich ständig Durchblutungsstörungen in den Finger und den Zehen. Es war eine Horrornacht, obwohl im Endeffekt nichts schlimmes passiert ist.
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Und wieder bin ich nicht in der Arbeit, sondern liege in diesem engen Zelt neben dem tiefatmenden Woife, der anscheinend gut schläft. Ich kann langsam nicht mehr liegen und habe schon fast Platzangst im engen Schlafsack. Beim erste Lichtstrahl treibt es mich raus. Minus 15 Grad, eiskalter Wind. Ich bekomme die Innenschuhe nicht in die steinhart gefrorenen Schalenschuhe. Mir fehlt einfach die Kraft. So sitze ich da, in Stümpfen bei Eiseskälte und merke wie meine Zehen immer kälter werden und ich weiss einfach nicht, was ich machen soll. Als ich endlich in den Schuhen bin, tun die Zehen so vor Kälte weh, dass ich nur noch jammernd herumgespringe. Ich könnte die Welt verfluchen ...
Woife und ich sind dann gleich abgestiegen und unten geht es mir gleich besser. Trotzdem sagt mir mein Gefühl, dass ich nicht weiter versuchen soll, auf diesen Berg zu steigen. Ich kann beliebig Vor- und Nachteile eines frühzeitigen Absteigens aufzählen. Natürlich haben wir so viel investiert, haben viel geplant und ich habe die Chance auf den höchsten Berg der westlichen Hemisphäre zu steigen. Aber ich bin schwach, schlecht akklimatisiert im Vergleich zu den anderen und das Ganze hat längst seinen Urlaubscharakter verloren. Es fehlt mit jede Motivation auf diesen Berg zu steigen. Es fehlt die sportliche Herausforderung, sich am Berg zu messen. Wenn ich höher hinauf steige, arbeite ich gegen meinem Körper. Es ist leicht sich trotz Erschöpfung und Schwäche zu motivieren, weiterhin alles zu geben, den inneren Schweinehund zu überwinden. Aber gegen starke Kopfschmerken, Schwindel, metale Aussetzer ist es eine ganz andere Kategorie. Das ist nicht mehr Sport, das ist Selbstkasteiung und das ist es mir nicht wert. Ich bin mir sicher: Ich gebe auf ! Zum Glück können die anderen drei schnell eine Möglichkeit finden, mit einer Person weniger in die Hochlager zu gehen. Das Basislagerzelt wird für die drei ausreichen und somit muss keiner zusätzliches Gewicht tragen, wenn ich nicht mehr mithelfe. |
Ich bin so gelöst, seit nicht mehr der Berg, sondern der Urlaub, die Erholung, die Entspanntung im Vordergrund stehen. Ich mache mit dem Woife einen Spaziergang zum nächsten Gletscherbruch und genieße die schöne Landschaft, wie noch an keinem Tag zuvor. Ich genieße es ganz bewußt, die anderen drei noch einen Tag um mich zu haben, weil ich mir sicher bin, dass die ersten Tage allein sehr ungewohnt und einsam sein werden.
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Sorgfältig packe ich meine Ausrüstung zusammen und bin erschüttert, wie schwer der Rucksack morgen sein wird. Er liegt schon ohne Wasservorrat und ohne Schlafsack und Isomatte wie ein fetter Stein auf dem Rücken.
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